10.05.2010, geschrieben von: Marion Suhr

Der 1. Mai in Barnstorf

Juttas Rede

1. Mai,

einziger Tag im Jahr, an dem es ausschließlich um Interessen von Menschen geht. Am 1. Mai geht es um die Würde der Arbeit, um gute Ausbildung und gute Löhne. Und es geht um einen starken Sozialstaat.

Deshalb kämpfen wir für

  • gute Arbeit,
  • sichere Beschäftigung und
  • gute Tarifverträge.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erwirtschaften täglich den Wohlstand des Landes. Millionen erwerbslose sind unfreiwillig davon ausgeschlossen. Sie schaffen die Werte und sie zahlen leider viel zu oft die Zeche.

Aktuelle Wirtschaftskrise weltweit: 100 Mio Menschen haben ihre Arbeit verloren. Die Krise ist noch nicht vorbei, Zocker und Spekulanten sind schon wieder im Gange

Gestern, Nachricht der Bundesregierung: Sie bittet die Banken über Herrn Ackermann, die Kosten in Griechenland mit zu finanzieren. Wo leben wir denn?

Wir haben den Banken den Hintern gerettet, jetzt sollen wir Bitte Bitte sagen??

Das sind die echten Sozialschmarotzer!

Sie bereichern sich schamlos und diskriminieren Schwache. Westerwelle hat das mit der spätrömischen Dekadenz verwechselt.

Unsere Arbeitswelt hat sich in den letzten 20 Jahren extrem verändert:

  1. Ausweitung der Leiharbeit
  2. Ausweitung der befristeten Jobs
  3. Hartz IV
  4. Dumpinglöhne
  5. Rente mit 67

Es geht nicht nur um die Menschen, die einen Vollzeitjob haben. Es geht um uns Alle!

Unsicherheit und Angst frisst sich durch die Gesellschaft!

Kollegen, die heute noch Stammbeschäftigte sind wissen, dass sie morgen durch Leiharbeiter ersetzt werden können. Und Leiharbeitnehmer sind immer die ersten Betroffenen, dann kommen die Befristungen und so weiter.

Kolleginnen und Kollegen,

Gute Arbeitsbedingungen sind ein Kern der deutschen Wertschöpfung und ein Plus am Standort

  • Faire Löhne,
  • Tarifautonomie,
  • Mitbestimmung und
  • ein starker Kündigungsschutz sind Voraussetzungen dafür, dass die Realwirtschaft wieder erstarkt.

Wir fordern:

Gleichen Lohn für gleiche Arbeit!


Das gilt für alle Bereiche. Von der Leiharbeit bis zur Frauenbeschäftigung.

Arbeit muss sich lohnen – und: Vom Lohn muss man leben können!

Arm trotz Arbeit ist ein Armutszeichen!

Kein Lohnwucher!

Wir brauchen Mindestlöhne!

Für mehr Fairness in der Leiharbeit:
in unserer Gesellschaft gibt es keinen Platz für Beschäftigung zweiter Klasse!

Wer zu Leiharbeit Zeitarbeit sagt, betreibt Augenwischerrei. Leiharbeit ist moderne Sklavenarbeit.

Wir fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit!

Und gleiche Arbeitsbedingungen!

Leiharbeit muss am besten so teuer werden, dass sie nicht mehr interessant ist. Leiharbeitnehmer müssen voll in die Mitbestimmung einbezogen werden und die Verleihzeit darf nicht länger als 3 Monate sein.

Viele Leiharbeitnehmer müssen zusätzlich zu ihrem Entgelt Hartz IV beantragen. Weil die Arbeit nicht zum leben reicht. Das sind dann die Aufstocker !!!

Kollegin ehemalige VL aus der IG Metall ausgetreten, weil sie sich jetzt als Leiharbeitnehmerin den Beitrag nicht leisten konnte. Keine 900€ brutto im Monat.

Kolleginnen und Kollegen, eine Regierung, die Niedriglöhne duldet und sich gegen Mindestlöhne stemmt, verzichtet nicht nur auf Steuereinnahmen.

Sie subventioniert Unternehmen unnötigerweise mit Steuermitteln und beschädigt die Würde der Arbeit. Das ist der wirkliche Missbrauch staatlicher Leistungen.

20 % der Deutschen arbeiten im Niedriglohnbereich: 20 % !!!!

Wo ist der Aufschrei ???

Diese Regierung weiß das und tut nichts! Probleme werden ausgesessen.

Frau von der Leyen war die letzten vier Jahre Familienministerin, gemeinsam mit der SPD und davor mindestens 1 Jahr in Niedersachsen. Und was hat sie getan??? Schöngeschwätzt! und ausgesessen!

Es ist ein Armutszeugnis für die Politik, dass das Bundesverfassungsgericht vorbuchstabieren muss, was Respekt und Achtung der Würde ärmerer Menschen bedeutet.

Es darf nicht sein, dass Milliardensummen deutscher Steuersünder unbehelligt im Ausland verschwinden und die Kinderarmut im Land steigt unter den Augen der damaligen Familienministerin und jetzigen Arbeitsministerin.

Das passiert jetzt auch zum Beispiel bei Leiharbeit und Mindestlöhnen.

Wir müssen flächendeckend eine Lohnuntergrenze einziehen, um Armutslöhne zu bekämpfen und gleichzeitig die Tarifautonomie gegen Ausfransen nach unten zu schützen.

Das sind Mindestlöhne !!!

Die Forderung der LINKEN liegt bei 10 € noch in dieser Wahlperiode.

Die Forderung des DGB ist noch bei 7,50 €

Mindestlöhne in Westeuropa liegen bei 8,40 €

In 20 von 27 EU Staaten gibt es Mindestlöhne, nur in Deutschland geht das nicht.

Ich höre jetzt im Parlament immer, die Gewerkschaften sollen es mit Branchentarifverträgen richten.

So ein Quatsch, erst setzt man Belegschaften und damit ihre Gewerkschaften unter Druck, mit dem Ergebnis, dass in Deutschland nur noch 63 % der Menschen in tarifgebundenen Betrieben arbeiten.

Nur Luxemburg und Großbritannien liegen schlechter.

Österreich arbeiten 99 % der Beschäftigten in tarifgeb. Betrieben

Belgien 96 %

Frankreich 95 %

Schweden 92 %

Finnland 90 %

Und so weiter

Deutschland ich wiederhole 63 %!

Bei 99 % Tarifbeschäftigten brauche ich keinen Mindestlohn. Wenn das in Deutschland so wäre und das war früher so, brauchen wir auch heute keinen.

Diese Zahlen sind alle bekannt und was passiert?

NICHTS!!!!

Und das ist noch nicht alles:

Unfreiwillige Teilzeitarbeit und Minijobs: darunter leiden vor allem Frauen. Sie haben mit niedrigsten Löhnen ein Auskommen zu finden. Die Rentenerwartung, die sich aus einer solchen Beschäftigung ergibt, ist unzureichend und erschreckend.

Der größte Skandal bei der Frauenbeschäftigung aber ist die Ungleichheit der Löhne.

Kolleginnen und Kollegen,

Frauentätigkeiten müssen aufgewertet werden. Dass typisch weibliche Berufe immer noch schlechter bezahlt werden, ist eine Schande!

Kolleginnen und Kollegen,

wir müssen jeden Versuch bekämpfen, aus der Krise Kapital zu schlagen. Es gilt, soziale Ungerechtigkeiten zu beseitigen!

Den Demagogen jeglicher Couleur stellen wir uns entgegen.

Ob sie

den Solidargedanken mit Füßen treten,

gegen Minderheiten hetzen oder

alte Nazi-Parolen aufwärmen.

Der 1. Mai ist unser Fest der Solidarität.

Hier gibt es keinen fußbreit Platz für alte und neue Nazis.

Wir demonstrieren am 1. Mai für

  • gute Arbeit,
  • gerechte Löhne und
  • einen starken Sozialstaat.
  • Abschaffung der Rente mit 67

Wir streiten für eine Politik der Verteilungsgerechtigkeit, Profiteure des Finanzmarktkapitalismus müssen endlich zur Kasse gebeten werden.

Wir alle wissen, dass diese Politik ungerecht ist und wir müssen unsere Ohnmacht überwinden.

Alle Räder stehen still, wenn Dein starker Arm es will!!!

Die Geschichte des 1. Mai zeigt: Gemeinsam können wir es schaffen.